Österreich 1850 - Entstehung der 9 Kreuzer Type I
Durch die Gründung des Deutsch Österreichischen Postvereines (unterzeichnet am 6. April 1850) traten mit Wirksamkeit ab 1.6.1850 neue Portostufen in Kraft. Das Porto zwischen Österreich (inkl. Lombardei und Venetien), Bayern, Sachsen, Preußen, Mecklenburg und Holsten wurde von 12 Kreuzer auf 9 Kreuzer bzw. von 60 Centes auf 45 Centes verringert. Für Fernbriefe bis 1 Loth über 20 Meilen wurden einheitlich 9 Kreuzer anstatt 12 Kreuzer berechnet. Da zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits die gesamte Auflage, acht Millionen Stück, der 12 Kreuzer Marke gedruckt war, musste in kürzester Zeit ein neues Klischee, also ein Ersatzwert, hergestellt werden. Warum die 9 Kreuzer Type I eine Sonderstellung bei den fünf Werten der ersten österreichischen Briefmarkenausgabe von 1850 einnimmt, erklärt sich durch die Herstellung des neuen Klischees.

P 259 - Plattenfehler „Stahlhelm“
Am 26. März 1850 erging seitens der Postverwaltung, an die k.k. Hof- und Staatsdruckerei, der Auftrag die beiden Ersatzwerte herzustellen. Ein komplett neues Stöckel anzufertigen, war in dieser kurzen Zeit nicht möglich. Der Ersatzwert musste bis zum 1.6.1850, mit einer Auflage von acht Millionen Stück, bei jedem noch so entlegenen Postamt der gesamten Monarchie vorrätig sein. Es war also naheliegend, stattdessen die zuhauf vorhandenen Stöckel der 6 Kreuzer Marke, entsprechend zu adaptieren. Dafür musste die Wertziffern der 6 Kreuzer Marke Type Ib und Type Ia (Verhältnis 15 : 1), herausgebohrt und anschließend die neue Wertziffer eingesetzt werden. Da diese Änderung bei jedem Stöckel einzeln und durch mehrere Arbeiter durchgeführt wurden, ergaben sich die verschiedenartigen Stellungen der Wertziffer sowie Verletzungen an Rahmen- und Zierlinien. Durch dieses Herstellungsverfahren wurde jedes Stöckel zu einem Unikat.
Charakteristische Erkennungsmerkmale eines Type I Stöckls
Der Druckbogen
Ein Druckbogen war aufgeteilt in vier Viertelplatten (VP 1, VP 2, VP 3, VP 4) zu je 60 Stöckel und vier Andreaskreuzen (AK). Die Andreaskreuze wurden immer unten rechts angeordnet und vereinfachten die Verrechnung durch die Posthofbuchhaltung (60 Kreuzer = 1 Gulden = 1 Druckbogen). Für die Herstellung der 9 Kreuzer Type I wurde ausschließlich Handpapier verwendet. In jeder Viertelplatte befanden sich jeweils 60 Stöckel, auch als P bezeichnet. Das P steht hier nicht, wie irrtümlich angenommen für Position, sondern für Plattenfehler.

Bogenstellung eines kompletten Bogens Bst. 1 – Bst. 240
Die Zusammenstellung
Aufgrund von Verunreinigungen, die während des Druckprozesses entstanden, mussten die Platten zwischendurch gereinigt und beschädigte Stöckel ausgetauscht werden. Für die gesamte Auflage der 9 Kreuzer Type I waren ca. 33.334 Druckbögen erforderlich. Insgesamt wurde die Druckplatte dreimal zusammengesetzt. Kam es zu einer neuen Zusammenstellung verblieben oder wechselten die Viertelplatten innerhalb des Rahmens den Platz. Diese drei Teilproduktionen, mit den neu zusammengesetzten Druckplatten, werden als Zusammenstellung (Z I, Z II, Z III) bezeichnet.

Um die Position eines Stöckels in der Platte zuordnen zu können, wird jedem der 240 Felder eine Bogenstellung (Bst.) zugewiesen.
Erforschung der Stöckel
Um einen kompletten Druckbogen auszufüllen, sind 240 Stöckel notwendig. Bis dato sind 273 verschiedene Stöckel nachgewiesen.
Wie ergibt sich diese Differenz?
Durch den Druck wurden einzelne Stöckel so stark beschädigt, dass sie nicht weiterverwendet werden konnten. Im Zuge der Reinigung und neuerlichen Zusammensetzung der Druckplatte, wurden diese Stöckel ersetzt.
In der intensiven Auseinandersetzung mit den Klischees der 9 Kreuzer Type I konnten anhand vorhandener Exemplare, weitere Stöckel bestimmt werden.
Nachfolgend eine Aufstellung namhafter Philatelisten, die im Verlauf ihren Beitrag zur Erforschung dieser Type beigetragen haben.
